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Autoritätsargument

Eine Form von möglichem Relevanzfehler, bei der, anstatt sachliche Argumente für oder wider eine Position zu betrachten, einfach auf die Position einer Autorität verwiesen wird.

Andere Namen

Beschreibung

Es gibt gute Gründe, die Meinung von Autoritäten zu bestimmten Fragen einzuholen und auch ernst zu nehmen: zum Beispiel können Ärzte aufgrund ihrer medizinischen Ausbildung aus einer Position der Autorität sprechen, wenn es um Fragen der Gesundheit geht, und man sollte deren Rat – zumindest bei ernsthaften Erkrankungen – nicht leichtfertig übergehen.

Allerdings ist auch ein Experte grundsätzlich nicht vor Irrtümern gefeit und es gibt zahlreiche Beispiele, in denen sich die Meinungen von Autoritäten im Nachhinein als falsch herausgestellt haben.

Dies ist allerdings auch kein Grund, die Meinungen von Experten grundsätzlich abzulehnen, sondern vielmehr ein Hinweis darauf, dass alleine die Tatsache, dass ein Experte eine bestimmte Meinung äußert, kein hinreichender Beweis für die Richtigkeit dieser Meinung ist.

Dies gilt umso mehr, wenn sich die Experten widersprechen, etwa weil es unter diesen unterschiedliche Meinungen zum Sachverhalt gibt.

Letztlich ist eine Abwägung nötig, zwischen einem möglichen Wissensvorsprung, den eine Autorität hat und der Notwendigkeit, die Autorität zu hinterfragen. Auf keinen Fall sollte man allerdings Rosinenpickerei betreiben und alleine solchen Autoritäten Glauben schenken, welche die eigene, vorgefertigte Meinung bestätigen und andere ignorieren.

Abstrakte Autoritäten

In den Beispielen oben bezieht sich „Autorität“ stets auf Personen bzw. Personengruppen, welche aufgrund ihrer Ausbildung, Rolle oder Persönlichkeit eine Autoritätsposition einnehmen. Das soll aber nicht bedeuten, dass es sich in jedem Fall um eine Person oder Personengruppe handeln muss.

Zum Beispiel sind Gesetze keine Personen, haben aber eine autorative Position. Die autorative Quelle, um zu überprüfen, ob etwas strafbar ist, ist in Deutschland in erster Linie das Strafgesetzbuch (siehe auch unten: Normative Autoritäten).

In einem ähnlichen Sinn ist auch die Wissenschaft eine solche abstrakte Autorität, die gerne zur Untermauerung einer Position vorgebracht wird. In den meisten Fällen wird „die Wissenschaft“ in Artikeln oder Diskussionen in personalisierter Form, also durch Zitieren eines Wissenschaftlers/einer Wissenschaftlerin vorgebracht (nicht immer solchen, die auch tatsächlich eine Autorität in dem jeweiligen Fachgebiet sind), aber auch der Verweis auf Statistiken oder Forschungsergebnisse muss hierzu gerechnet werden.

Gerade in letzterem Fall sollte man sorgfältig überprüfen, ob die Forschung bzw. Statistiken tatsächlich geeignet sind, die Aussage zu unterstützen. Es gibt eine Reihe verbreiteter Ablenkungsmanöver bzw. Verwirrungstaktiken, die darauf beruhen, irelevante oder verwirrende Fakten vorzubringen (siehe: Ignoratio Elenchi ).

Wann ist ein Verweis auf eine Autorität wirklich ein Scheinargument?

Kein Wissensvorsprung

Aus dem oben gesagten ergibt sich, dass die Aussage einer vermeintlichen Autorität grundsätzlich irrelevant ist, wenn diese keinen deutlichen Wissensvorsprung vor anderen hat hat.

Während z.B. in der Diskussion mit einem medizinischen Laien der Verweis auf die Meinung eines Arztes/einer Ärztin eine Trumpfkarte sein kann, stehen diese, wenn es um die gleiche Frage bei einer Diskussion unter Ärzten geht, auf einer Stufe mit diesen und können daher nicht mehr als Autorität auftreten – je nach Themengebiet bzw. Spezialisierung können manche sogar umgekehrt in einer argumentativ schwächeren Position stehen.

Falsche Autorität

Im schlimmsten Fall ist die angebliche Autorität, auf die verwiesen wird, überhaupt keine. Dies ist bei Diskussionen im Internet wahrscheinlich der mit Abstand häufigste Fall. Aus diesem Grund wird diesen Formen von Scheinargument ein ganzer eigener Artikel gewidmet: Verweis auf eine falsche Autorität.

Expertenstreit

Es gibt in jedem Wissenschaftsbereich und zu fast jedem Thema unterschiedliche Expertenmeinungen, und es ist für Außenstehende praktisch unmöglich, zu erkennen, inwieweit die Argumente, die von der einen Seite vorgebracht werden, tatsächlich treffender und glaubwürdiger sind als die der anderen.

Ohne sehr gute Kenntnis des Fachbereiches kann man auch nicht einschätzen, ob der eine Experte vielleicht in diesem Fach ein Außenseiter ist, während der andere womöglich die überwiegende Mehrheit seiner Fachkollegen hinter sich hat.

Aus diesen Gründen sollte der wissenschaftliche Diskurs möglichst in wissenschaftlichen Publikationen ausgetragen werden und nicht in der Presse oder auf sozialen Medien.

Diskussion über Normen

Auch normative Autoritäten wie Gesetzestexte oder technische Spezifikationen haben eine Entstehungs- und oft auch eine Revisionsgeschichte. Wenn die Diskussion darüber geht, ob und wie solche Regeln aufgestellt bzw. geändert werden sollen, dann ist ein schlichter Verweis auf den Status Quo nicht hilfreich.

Umgekehrtes Autoritätsargument

Eine Variante des Autoritätsargumentes besteht in der Zurückweisung einer Position, alleine weil sie nicht von einem Experten stammt. Dies kann man dann als eine Form von ad Hominem-Argument ansehen.

Gewöhnlich wird Expertentum dabei an einer formellen fachlichen Ausbildung oder am Renommée festgemacht. Man bekommt dann Aussagen wie die folgende zu hören:

Das kann XYZ gar nicht wissen, der hat das nicht studiert.

Prinzipiell ist es für die Gültigkeit eines Argumentes zunächst völlig irrelevant, von wem es vorgebracht wird – dies gilt im negativen Sinne ebenso wie im positiven. Und ebenso wie sich auch Experten (zumindest gelegentlich) irren, haben Laien auch korrekte Einsichten.

Während alleine die Tatsache, dass eine Position von einem Außenseiter vorgebracht wird, kein Grund ist, sie zurückzuweisen, sollte man die Beweise, die für die Position vorgebracht werden, grundsätzlich kritisch betrachten um zu sehen, ob sie wirklich stichhaltig sind.

Dabei sollte aber auch jedem immer klar sein: wenn eine Laienmeinung gegen eine Expertenmeinung steht, ist es grundsätzlich empfehlenswert, zunächst einmal dem Experten mehr Glauben zu schenken.

Eine Variante hiervon ist die unfaire Diskussionstaktik, dem Gegenüber Zweifel an der eigenen Position eingestehen zu lassen, und diese dann als Argument gegen diese zu verwenden. Etwa wie folgt:

A: Das kannst du doch gar nicht wissen, das hast du nicht studiert.
B: Das habe ich in der Tat nicht studiert, aber …
A: Dann sollten wir besser auf die Experten hören, als hier unsere Zeit zu verschwenden.

Eine solche Argumentation ist umso frustrierender, als sie häufig mit guter Absicht geführt wird, etwa um unwissenschaftliche Standpunkte abzuwehren – ironischerweise ist diese Argumentationsweise dabei aber selbst im Widerspruch zum wissenschaftlichen Ethos (Mertonische Normen).

Mehr zu dieser Fom von rhetorischer Taktik unter (Argumentum) ad Fidentia.

Gerechtfertigte Verwendung

Normative Autoritäten

Bestimmte Autoritäten haben eine Bestimmungsgewalt über den Diskusionsgegenstand, d.h. die Sachlage ist so, weil diese Autoritäten es so sagen. Dazu gehören unter anderem Gesetzestexte, Gerichtsurteile, technische Spezifikationen und – je nach Sichtweise – möglicherweise auch bestimmte religiöse Institutionen. In diesem Fall ist eine Diskussion natürlich müßig. Das Wort dieser Autorität ist – im manchen Fällen sogar ganz wörtlich – Gesetz.

Beispiel:

A: Unfallflucht ist in Deutschland strafbar!
B: Wer sagt das?
A: Das steht im Strafgesetzbuch, § 142.

Da das Strafgesetzbuch eine normative Autorität ist, ist ein solcher Verweis gerechtfertigt.

Ähnliches gilt für Institutionen, die eine Entscheidungsgewalt haben. So eine Institution sind z.B. die Eltern, die ihren Kindern bestimmte Vorgaben machen dürfen. Jeder, der selbst Kinder hat, kennt wohl Diskussionen wie im folgenden Beispiel:

Kind: Warum muss ich denn schon in’s Bett?
Vater: Weil ich und deine Mutter festgelegt haben, dass 8 Uhr für dich Schlafenszeit ist.

Das Festlegen der Schlafenszeit gehört zur normativen Kompetenz der Eltern und entsprechend reicht der Verweis darauf aus, um diese Diskussion zu beenden (Kinder sehen das mitunter anders).

Bis zur Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996 war der Duden die normative Autorität zur deutschen Rechtschreibung. Auch wenn dies heute nicht mehr gilt, kann man bei Fragen zur korrekten Schreibweise von Wörtern zumindest immer noch davon ausgehen, dass die Redaktionen der großen Wörterbuchverlage einen gewissen Wissensvorsprung in diesem Bereich haben und man sie deshalb ernst nehmen sollte.

Deutlicher Wissensvorsprung

Des Weiteren ist ein Verweis auf eine Autorität gerechtfertigt, wenn diese ein deutlich größeres Wissen zum Thema als die Diskussionsteilnehmer hat.

So sollte man z.B. zunächst davon ausgehen, dass ein zugelassener Arzt, nach langjähriger Ausbildung und praktischer Erfahrung, einen Wissensvorsprung vor den meisten – auch medizinisch interessierten – Patienten hat, der ernst genommen werden sollte.

A: Warum nimmst du Antibiotika? Die schaden doch mehr, als sie nützen.
B: Weil mein Arzt sie mir verschrieben hat um die Infektion zu bekämpfen.

Auch wenn sich – siehe oben – auch Ärzte täuschen können und unterschiedliche Herangehensweisen an bestimmte Erkrankungen haben, wiegt die Empfehlung des Arztes zunächst (bis zum Beweis des Gegenteils) deutlich schwerer als eine eventuelle Laienmeinung zum selben Thema.

Es sei an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es Vertreter bestimmter medizinische Berufe gibt, die sich zwar gerne als Autoritäten in medizinischen Fragen ausgeben und möglicherweise auch gegenüber Laien einen Wissensvorsprung haben, aber etwa im Vergleich mit ausgebildeten Ärzten keinen solchen Status geltend machen können (z.B. Heilpraktiker).

Siehe auch

Weitere Informationen

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