Inhaltsverzeichnis

Emergenz

Beschreibt das Phänomen, dass in einer Gruppe oder einem System bestimmte Eigenschaften auftreten, die den Teilen oder Komponenten nicht (erkennbar) angelegt waren.

Begriff

Andere Namen

Namensherkunft

Der Name „Emergenz“ leitet sich vom eng­lischen Wort „emergence“ ab, das wiederum vom latein­ischen „ēmergo“ ab­stammt, was so viel wie „er­scheinen“ oder „zum Vor­schein kommen“ be­deutet.

Beschreibung

Systeme oder Gruppen können als Ganzes unter bestimmten Umständen Eigenschaften zeigen, die nicht in den Bestandteilen vorhanden sind. Dieses „in Erscheinung treten“ von neuen Eigenschaften wird als „Emergenz“ bezeichnet.

Zur Emergenz gehört auch das Verschwinden von Eigenschaften der Bestandteile durch die Kombination. So sind z.B. sind sowohl Natrium als auch Chlor giftig, während diese Eigenschaft bei der Verbindung – Natriumchlorid, besser bekannt als Kochsalz – nicht mehr in dieser Form auftritt.

In gewissem Sinne gilt dies auch für Eigenschaften, die undefiniert sind oder in einzelnen Elementen keine wirkliche Bedeutung haben, aber in Gruppen oder Kombinationen relevant werden. Zum Beispiel können Hinweise auf Unterschiede zwischen den Elementen unter diese Kategorie fallen, wie in dem folgenden Beispiel:

Haben die Pferde in dieser Herde unterschiedliche Farben?

Diese Frage (oder jede Antwort darauf, außer womöglich Mu) macht offensichtlich wenig Sinn für eine Herde mit nur einem einzigen Pferd.

Das Prinzip der Emergenz beschränkt die Möglichkeiten, logische Schlüsse von den Bestandteilen auf das System als Ganzes zu machen (Trugschluss der Komposition), ebenso wie umgekehrt vom Ganzen auf die Eigenschaften der Bestandteile zu schließen (Trugschluss der Division).

Dies kann auch als eine Einschränkung des Prinzips „dictum de omni et nullo“ verstanden werden, da es somit Eigenschaften gibt, welche zwar eine Gruppe als Ganzes beschreiben, nicht aber die Mitglieder der Gruppe (im Beispiel: „Mehrfarbigkeit“ der Pferde in einer Herde).

Das Gegenteil von Emergenz ist die Resultanz, damit werden Eigenschaften beschrieben, die sich aus den Bestandteilen ergeben.

Bedeutung

Das Konzept der Emergenz hat sich als extrem hilfreich bei der Lösung von einer weiten Reihe von logischen Problemen erwiesen. So lassen sich viele der klassischen Paradoxien auflösen, wenn man die be­schrieb­enen Eigenschaften als emergent betrachtet.

Zum Beispiel lässt sich Zenons Pfeilparadox einfach auflösen, indem man Bewegung als emergente Eigen­schaft eines Zeitraumes betrachtet, die noch nicht in den einzelnen Zeitpunkten angelegt ist.

Kritik

Das Konzept der Emergenz wird oft dahingehend kritisiert, dass es vermeintlich auf unvollständigem Wissen über die Eigenschaften der Komponenten beruht. Hätte man tiefere Kenntnisse hierüber, würden emergente Eigenschaften des Gesamtsystems vermutlich resultant werden (siehe hierzu auch: Determinismus).

Ob dies in allen Fällen stimmt, kann durchaus diskutiert werden. Zumindest sollte man aber die Möglichkeit im Einzelfall in Betracht ziehen und überprüfen, ob eine strikte Definition von Emergenz auch bei tieferem Wissen über die Bestandteile eines Systems noch zutreffend wäre.

Weitere Beispiele

„Stau“ und andere „Wellen“

Ein Stau, wie er z.B. auf der Autobahn durch Überlastung der Strecke entstehen kann, ist schon oberflächlich ein gutes Beispiel für ein emergentes Phänomen, das nur auftritt, wenn auf einer Straße sehr viele Autos gleichzeitig unterwegs sind. Ein einzelnes Auto kann noch keinen Stau ausmachen.

Ein typisches Merkmal eines solchen Staus durch Überkapazität ist, dass sich eine Art „Wellenmuster“ ausbildet, in dem sich relativ schnelle und langsamere Strecken abwechseln. Streng genommen ist es diese „Welle“, die man als das eigentliche emergente Merkmal des übermäßig dichten Straßenverkehrs ansehen sollte. Ein „Stau“ ist nur die Sicht auf das Phänomen aus der Perspektive des „Mediums“, also der Autos, die den Stau ausmachen.

Damit wird deutlich, dass dieses Phänomen auch anderen Wellenformen ähnelt, wie sie in anderen Medien auftreten; das offensichtliche Beispiel sind Wellen an einer Wasseroberfläche, etwa auf dem Meer. Auch hier gilt: ein einzelnes Wassermolekül macht noch keine Welle, es müssen viele davon zusammen kommen.

Eine Welle ist in diesem Sinne ein emergentes Phänomen, dass aus Energieunterschieden in einem Medium entsteht. Dabei ist es gleich, ob dieses aufgrund von Druckunterschieden in einer Flüssigkeit (wie z.B. Wasser), Geschwindigkeitsunterschieden von Autos auf der Autobahn, oder auch Gravitationskräften in einer Galaxie geschieht (wodurch sich die typischen Spiralarmstrukturen ausbilden).

Siehe auch

Lernmaterialien

Weitere Informationen

Über diese Site

QR Code Denkfehler Online ist ein Projekt, die häufigsten Irrtümer und Trugschlüsse zu erklären und zu kategorisieren. Auf dieser Seite finden sie einen Hintergrundartikel, der ein wichtiges Konzept aus dem Bereich „Logik“, welches zum Verständnis von anderen Artikel nötig ist, kurz erklärt.
Für mehr Informationen, siehe die Hauptkategorie Logik.