Ein aus dem Zen-Buddhismus entlehnter Begriff, der als ausweichende Antwort für Entscheidungsfragen (Ja-/Nein-Fragen) gebraucht wird, um damit auszudrücken, dass die Frage nicht mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden kann, etwa weil die implizierten Prämissen nicht gegeben sind.
Die Bedeutung ist dabei ähnlich zum deutschen Kofferwort „jein“, welches eine Situation beschreibt, in der sowohl „ja“ als auch „nein“ möglich wären, aber beides nicht völlig passend ist.
— Ist es wahr, dass es auf deutschen Autobahnen gar kein Tempolimit gibt?
— Jein – kein generelles Tempolimit, aber es gibt natürlich lokale Geschwindigkeitsbegrenzungen …
Im Unterschied zu „jein“ impliziert „Mu“ jedoch, dass die Frage schon auf Prämissen beruht, welche zu akzeptieren bereits einen Fehler darstellen würde. Um die Bedeutung von „Mu“ noch besser zu treffen, könnte man das Beispiel etwas variieren:
— Ist es wahr, dass auf Autobahnen in Liechtenstein auch kein Tempolimit gilt?
— Mu! Liechtenstein hat überhaupt keine Autobahn1).
Der Begriff „mu “ entstammt aus dem Japanischen (Kanji: 無, bzw. Hiragana: む) und bezeichnet dort die Abwesenheit von etwas. Es kann in dieser Bedeutung mit „nichts“ oder „ohne“ übersetzt werden.
Dabei ist mu ein zentrales Konzept der Philosophie des Zen-Buddhismus, mit dem die Limitationen eines Dualistischen Weltbildes aufgezeigt werden. Ähnliche Konzepte aus der westlichen Philosophie sind u.a. der Kontinuumsirrtum oder das falsche Dilemma.
Als Konzept, wie es hier verwendet wird, wurde der Begriff vor allem durch Douglas Hofstadters Buch „Gödel, Escher, Bach“ in der westlichen Welt verbreitet.
Streng genommen handelt es sich damit auch nicht um ein Konzept der (klassischen) Logik, sondern um ein pragmatisches Sprachkonzept, das aber helfen kann, bestimmte logische Probleme besser zu verstehen.