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denkfehler:kausalitaetsirrtuemer:korrelationsirrtum [30.11.21, 10:36:34]
denkfehler:kausalitaetsirrtuemer:korrelationsirrtum [18.03.22, 22:06:47] (aktuell)
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 +====== Korrelationsirrtum ======
  
 +Ein [[denkfehler:hauptseite|Denkfehler]], bei dem aus dem gemeinsamen Auftreten von Ereignissen oder Phänomenen auf einen kausalen Zusammenhang zwischen diesen geschlossen wird, ohne dass es dafür hinreichende Begründungen gibt.
 +
 +Beispiel:
 +> Jeden morgen geht die Sonne auf, //nachdem// der Hahn gekräht hat.
 +> <html><s class="invalid">Folglich geht die Sonne auf, <i>weil</i> der Hahn kräht.</s></html>
 +
 +Diese Schlussfolgerung ist sicher schmeichelhaft für den Hahn, aber wir wissen, dass die Sonne auch ohne das Krähen aufgehen wird. Wahrscheinlicher ist es, dass die durch die bald aufgehenden Sonne verursachte Dämmerung den Hahn weckt (umgekehrter und indirekter Kausalzusammenhang), oder dass er durch eine „innere Uhr“ genannte Körperfunktion geweckt wird (Scheinkorrelation) und dann anfängt zu krähen.
 +
 +===== Andere Namen =====
 +
 +  * <html><i lang="en">False cause</i></html>
 +  * <html><span title="Lat.: mit diesem, folglich wegen diesem"><i lang="la">Cum hoc ergo propter hoc</i></span></html> (Lat.: „mit diesem, folglich wegen diesem“)
 +  * <html><span title="Lat.: nach diesem, folglich wegen diesem"><i lang="la">Post hoc ergo propter hoc</i></span></html> (Lat.: „nach diesem, folglich wegen diesem“)
 +  * <html><span title="Lat.: kein Grund aus diesem Grund"><i lang="la">Non causa pro causa</i></span></html> (Lat.: „kein Grund aus [diesem] Grund“)
 +
 +===== Beschreibung =====
 +
 +Unter dem Namen „Korrelationsirrtum“ wird hier der //rationale//, aber //irrtümliche// Schluss von einer beobachteten Korrelation auf eine [[logik:begriffe:kausalitaet|Kausalbeziehung]] bezeichnet. Der Begriff fasst die beiden gewöhnlich auf Lateinisch beschriebenen Denkfehler „<html><i lang="la" title="mit diesem, folglich wegen diesem">cum hoc ergo propter hoc</i></html>“ und „<html><i lang="la" title="nach diesem, folglich wegen diesem">post hoc ergo propter hoc</i></html>“ zusammen.
 +
 +Die unter der Rubrik „[[psychologie:kognitive_verzerrungen:hauptseite|kognitive Verzerrungen]]“ gelistete „[[psychologie:kognitive_verzerrungen:kausalillusion|Kausalillusion]]“ bezeichnet dagegen einen un­be­wussten psychologischen Effekt, der gemeinsam oder in zeitlicher Abfolge vorkommende Phänomene als kausal verbunden erscheinen lässt.
 +
 +Im Bereich „[[mathematik:statistik:hauptseite|Statistik]]“ gibt es die „[[mathematik:statistik:interpretationsfehler:scheinkorrelation|Scheinkorrelation]]“ (engl.: „<html><em lang="en">spurious correlation</em></html>“), die sich auf einen sta­tis­tischen Fehler bezieht, der gemeinsam auftretende („korrelierende“) Phänomene als kausal verbunden er­scheinen lässt.
 +
 +Diese drei Begriffe sind eng miteinander verbunden – womöglich handelt es sich sogar nur um unter­schied­liche Blickwinkel auf dasselbe Phänomen.
 +
 +===== Beispiele =====
 +
 +==== Beziehung zwischen Videospielen und Gewalt ====
 +
 +In den Medien wird immer mal wieder ein Kausalzusammenhang zwischen gewalttätigen Videospielen und Gewalt­akten von Jugendlichen postuliert. Die ließe sich etwa wie folgt darstellen:
 +
 +> <html><table class="layout"><tbody><tr><td>Man hört immer häufiger von Gewaltakten durch Jugendliche.</td></tr>
 +<tr><td>Jugendliche verbringen immer mehr Zeit mit gewalttätigen Videospielen.</td></tr>
 +<tr><td><hr /></td></tr>
 +<tr><td><s class="invalid" title="ungültiger Schluss">Daraus folgt:</s> <s class="questionable" title="möglicher Korrelationsirrtum">Gewalttätige Videospiele verursachen Gewalt.</s></td></tr></tbody></table></html>
 +
 +Wendet man die im Artikel zu [[logik:begriffe:kausalitaet|Kausalität]] beschriebenen Erklärungsmöglichkeiten auf diese Beobachtung an, erhält man die folgenden Möglichkeiten, die in Betracht gezogen werden sollten:
 +
 +  - Durch den vermehrten Konsum von gewalttätigen Videospielen verrohen die Jugendlichen und neigen dazu, eher zu Gewalt zu greifen (//direkter// Kausalzusammenhang).
 +  - Der Gewaltanstieg in der Gesellschaft führt dazu, dass mehr Videospiele konsumiert werden, etwa als eine Form von [[wpde>Eskapismus]] (//umgekehrter// Kausalzusammenhang).
 +  - Die bessere Vernetzung über das Internet führt sowohl dazu, dass Computerspiele mit online-Anbind­ung immer attraktiver werden und gleichzeitig wird dadurch Gewalttätern einfacher gemacht, an Waffen oder Anleitungen zu kommen bzw. von Gleichgesinnten angefeuert zu werden (//externer// Kausal­zusammen­hang).
 +  - Der Konsum von gewalttätigen Videospielen weckt das Interesse der Spieler an Waffen und Kampf­sport, was dazu führt, dass sie dann auch dazu neigen, Konflikte eher mit Gewalt zu lösen (//indirekter// Kausal­zusammen­hang).
 +  - Der Anstieg von Gewalt und der vermehrte Konsum von Videospielen sind zwei völlig von­einander un­abhängige Phänomene, die //keinen// Kausalzusammenhang haben.
 +  - Es gibt überhaupt keinen faktischen Anstieg der Gewalt, stattdessen wird Gewalt heute stärker in den Medien thematisiert, was den //subjektiven// Eindruck erweckt, sie seien häufiger geworden.
 +
 +An dieser Stelle kann und soll nicht diskutiert werden, welche dieser Erklärungen (oder welche Kombination davon) die wahrscheinlichste ist. Wichtig ist aber, festzuhalten, dass //alleine// aus dem gemeinsamen Auftreten der Phänomene kein Kausalzusammenhang konstruiert werden kann.
 +
 +==== Impfung und Sterblichkeit ====
 +
 +Auf sozialen Medien kursierte eine Statistik, nach der die Sterblichkeitsrate in einigen Regionen mit der Zahl der Impfungen korrelierte. Diese schien zu suggerieren, dass die Sterblichkeit kausal durch die Impfung verursacht würde.
 +
 +Auch hier könnte man wieder wie oben alle möglichen Beziehungen zwischen den Er­eig­nissen er­läut­ern, aber es ist klar, dass hier die bei weitem am wahr­schein­lichste Er­klär­ung ist, dass in einer Si­tu­a­tion, in der die Kranken­häuser bereits überfüllt sind, die Infektionsrate hoch ist, und die Zahl der Todes­fälle immer mehr ansteigt, auch das Interesse an Impfungen gegen das genau dies ver­ur­sach­ende Virus nach oben geht, und in der Folge sich auch mehr bisher Un­ge­impfte zu diesem Schritt ent­schließen.
 +
 +Wenn man dies als einen zwar übermäßig vereinfachenden, aber dafür auch prägnanten Sinnspruch formulieren möchte, könnte man eher sagen: „Todesfälle verursachen Impfungen“ (//umgekehrter// Kausal­zusammen­hang).
 +
 +===== Siehe auch =====
 +
 +  * [[psychologie:kognitive_verzerrungen:kausalillusion|Kausalillusion]]
 +  * [[logik:begriffe:kausalitaet|Kausalität]]
 +  * [[mathematik:statistik:interpretationsfehler:scheinkorrelation|Scheinkorrelation]]
 +
 +===== Weitere Informationen =====
 +
 +  * <html><i lang="la"></html>[[wpde>Cum hoc ergo propter hoc]]<html></i></html> auf //Wikipedia//
 +  * <html><i lang="la"></html>[[wpde>Post hoc ergo propter hoc]]<html></i></html> auf //Wikipedia//
 +
 +  * <html><i lang="la"></html>[[http://www.fallacyfiles.org/noncause.html|Non causa pro causa]]<html></i></html> auf <html><i lang="en"></html>FallacyFiles<html></i></html> (Englisch)

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