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Etymologischer Irrtum

Die (falsche) Annahme, dass die ur­sprüng­liche Be­deut­ung eines Wortes oder die ur­sprüng­liche De­fini­tion eines Be­griffes immer noch die maß­geb­liche ist.

Beispiel:

A: Das war aber eine lausige Idee.
B: Eine Idee kann keine Läuse haben, deswegen ist diese Aussage unsinnig.

Der Begriff „lausig“ be­zeich­nete ur­sprüng­lich in der Tat ein von Läusen be­fall­enes Kleid­ungs­stück, Ma­tratze o.ä. Diese Be­deut­ung hat sich im Laufe der Zeit aber ge­ändert und so kann er heute als ab­wert­endes oder ver­stärk­endes Ad­jektiv auf fast alles an­ge­wendet werden, was nicht den Er­wart­ungen ent­spricht; Eben auch auf Ideen, die sich im Nach­hin­ein als nicht so gut her­aus­ge­stellt haben.

Beschreibung

Die Bedeutung von Wörtern ändert sich im Laufe der Zeit, und während es hilfreich zum Verständnis eines Begriffes sein kann, seine Herkunft zu kennen, kann man nicht davon ausgehen, dass die Bedeutung für alle Zeit unverändert bleibt.

Dies gilt insbesondere für Fachausdrücke, welche in einem Fachgebiet mitunter radikal anders verwendet werden als in einem anderen (siehe z.B. Ontologie in der Philosophie gegenüber Ontologie in der Informatik).

Beispiele für deutsche Begriffe, die einen signifikanten Bedeutungsverschiebung durchgemacht haben:

  • dezimieren: ursprünglich „um ein Zentel reduzieren“, heute ganz allgemein „verringern“.
  • Tier: bezeichnete ursprünglich nur Wildtiere, wird heute auch für Haustiere verwendet.
  • Dirne: bezeichnete ursprünglich eine junge Frau, meist eine Magd; Seit dem Spätmittelalter wird es dagegen als „Prostituierte“ verstanden.

Weitere Beispiele

„Menschheit“

In vielen Sprachen ist der Be­griff „Mensch“ oder „Mensch­heit“ bzw. des­sen Äqui­val­ent auf die eine oder and­ere Weise von einem Be­griff für „Mann“ ab­ge­leitet – oder um­ge­kehrt, das Wort für „Mann“ von einem all­ge­mein­eren Be­griff für „Mensch“.

Die modernen deutschen Be­griffe lassen sich etwa vom alt­hoch­deutschenmen­nisc“ herleiten, was so viel wie „männ­lich“ be­deutet. Ähn­lich das alt­griech­ische „án­thro­pos [ἄν­θρω­πος]“ oder das latein­ische „hŏmo“, die beide je nach Kon­text sowohl „Mann“ als auch „Mensch“/„Per­son“ heißen können.

Daraus sollte man aber nicht schließen, dass sich die hier­von ab­ge­leit­eten Be­griffe spe­zi­fisch auf Männer be­ziehen würden. So ist der Begriff „Argu­mentum ad homi­nem“ ein „Argu­ment gegen die Person“, ohne das dabei ein Ge­schlecht der Person im­pli­ziert würde.

Hinweis: Für Situationen, in denen tatsächlich das Ge­schlecht der an­ge­griff­enen Per­son re­le­vant ist, bieten sich andere Be­zeich­nungen an: ins­be­son­dere wenn eine Frau spezifisch auf­grund ihres Ge­schlechtes an­ge­griffen wird, kann man „Argu­mentum ad feminam“ als spe­zi­fisch­eren Aus­druck gebrauchen; bei Männern wäre „Argu­mentum ad virum“ passend. Ins­be­sondere letztere Vari­ante ist aber nicht sehr ver­breitet.

Hinweis 2: Geht man noch weiter zurück in der Sprach­geschichte, stößt man auf den Proto-Ger­man­ischen Wort­stamm „*mann-“, welcher in erster Linie wieder­um „Per­son“ oder „Mensch” be­deutete. Auch für andere Worte hält die Sprach­geschichte noch Über­rasch­ungen bereit.

Rassismus

Nicht zuletzt sollte man auch bei dem Be­griff „Rass­is­mus“ be­achten: dieser beruhte zwar ur­sprüng­lich spe­zi­fisch auf dem Be­griff „Rasse“ (wel­cher üb­ri­gens auch aus and­eren Gründen prob­lem­at­isch ist), hat sich aber in­so­fern weiter ent­wickelt, dass er längst ganz all­ge­mein für eine Viel­zahl von Dis­kri­mi­nier­ungs­krit­er­ien ge­braucht wird, da­runter Her­kunft, Staats­an­ge­hörig­keit, relig­iöse oder kul­tur­elle Zu­ge­hörig­keit und weitere.

Das oft gehörte Ar­gu­ment, eine Dis­kri­mi­nier­ung auf­grund der Relig­ion oder dem kul­tur­ellem Hinter­grund sei kein „Rass­is­mus“, weil diese eben keine „Rassen“ seien, ist in der Tat ein gutes Bei­spiel für den hier be­schrieb­enen ety­mo­log­ischen Irrtum.

Siehe auch

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